Restaurant & Café

Elbterrassen

Wussegel

seit 1765

Geschichte und Geschichtchen...

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Seit 1765 wird der Wussegler Dorfkrug  - die heutigen Elbterrassen - von der Familie Lehmann inzwischen in siebter Generation  betrieben.

Bauliches

Die Elbterrassen haben sich über die Jahrhunderte mit Ihren Bewohnern und Gästen verändert, es wurde an und umgebaut und so ist von dem ursprünglichen alten Fachwerkbauernhaus (!) heute nicht mehr viel zu erkennen.

Im 19. Jahrhundert wurde der ehemals eingeschossige Bau aufgestockt und um eine erste Etage und einen neuen Dachstuhl, in dem sich kleine Kämmerchen für Magd und Knecht befanden, erweitert.

 

Um 1920 wurde zur Wasserseite ein Saal an die Elbterrassen angebaut - das heutige Restaurant. Bis dahin wurde im 1. Stock des alten Hauses auf dem Tanzboden getanzt. Dort befand sich auch die Sektbar. Der Tanzboden wurde zu Fremdenzimmern für die Kurgäste umgebaut, die sich damals in Bad Hitzacker zum kuren und kneippen einfanden.

In den 30er Jahren entschied man sich die alte Fachwerkfassade zu verklinkern und dem Haupthaus damit ein neues Gesicht zu geben.

 

 

Otto Lehmann mit seiner Frau Emmy vor dem Eingang zur Gastwirtschaft.

Rechts im Bild der Saalneubau

In den 70er Jahren wurde die Küche um einen Anbau erweitert, der die Kapazitäten der kleinen Küche an die inzwischen gewachsene und veränderte Gastronomie anpasste. Hitzacker war inzwischen kein Bad mehr und nach dem Krieg lag Wussegel nun direkt an der innerdeutschen Grenze. Der Bustourismus zur deutsch-deutschen Grenzbesichtigung wurde vom Staat gefördert, so dass sich die Anforderungen an den Gastronomiebetrieb völlig verändert hatten.

Im Rahmen des Deichneubaus 1977 wurde der gesamte Terrassenbereich neu gestaltet und nahm damit seine heutige Form an. Wo sich vorher die alte Laube auf der Terrasse fand  wurde ein Toilettentrakt angebaut .

 1990 schließlich erfolgte der bislang letzte Anbau in dessen Rahmen der Bau des Clubraumes mit einer Kapazität von 50 Plätzen, sowie eine erneute Küchenerweiterung, der Neubau einer modernen Abwaschküche sowie der Bau eines großen Kellerraumes als weitere Lagerkapazität realisiert werden konnten.

Kleine Gesellschaft auf der oberen Terrasse vor der alten Laube.

Links im Bild Otto Lehmann

Letzte bauliche Veränderungen wurden in den Jahren 1998 bis 2003 vorgenommen. Hier wurde der gesamte Dachstuhl des Hauses erneuert und verändert, so dass im Obergeschoss Wohnraum entstand.

Alles begann mit dem Jahreswechsel 1763/1764, als sich der aus Bleckede stammende Musicus Ernst Wilhelm Lehmann von Berufs wegen in Wussegel aufhielt. Hier lernte er die Bauerntochter Margaretha Elisabeth Vossen kennen und schon im Juli 1764 fand die Hochzeit der beiden statt. Kurz darauf wurden die Frischvermählten Eltern. Am 10. September wurde Johann Joachim Henrich David Lehmann geboren. Da die junge Frau Lehmann eine Bauerstochter war, die nur einen kleinen Pflichtteil aus dem väterlichen Hoferbe erhielt, musste Ernst Wilhelm auch weiter als Musicus über Land ziehen und den Unterhalt für seine kleine Familie verdienen. Allerdings konnte er für seine kleine Familie eine Behausung erbauen lassen und so wurde man in Wussegel ansässig.

Ein Jahr nach seiner Hochzeit - 1765 - ergab sich dann für Lehmann die Chance seines Lebens und er nahm sie wahr: er wurde Gastwirt.

Schon seit 1739 gab es einen Dorfkrug in Wussegel, der jedoch häufig die Betreiber wechselte. Der letzte Betreiber vor Lehmann beantragte beim Amt in Hitzacker die Aufhebung des Dorfkruges. Dies wurde beim Amt in Hitzacker jedoch nicht gern gesehen und so stiess das Interesse an der Fortführung des Dorfkruges durch Lehmann auf Gegenliebe in den Hitzackeraner Amtsstuben.

Wegen seiner Lage direkt am Außenbogen der Elbe war der Wussegler Dorfkrug beliebtes Quartier von Schiffsknechten und böhmischen Flößern, die zum Abend gern in geselliger Runde beisammen saßen. Ernst Wilhelm Lehmann erfuhr dadurch auch stets Neuigkeiten von den weit herumkommenden Schiffern. Waren die Schiffer und  Flößer schon einmal im Krug, so nahmen sie oftmals Getränke und Proviant mit und ermöglichten dem Gastwirt gute Geschäfte.  

In guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebend konnte sich die Familie weiter vergrößern. Am 04. 05. 1767 wurde Diedrich Wilhelm und am 05.01.1769 Johann Christian Ludolph geboren.

Nach dem Tode Ernst Wilhelm Lehmanns übernahm der erstgeborene Sohn die Gastwirtschaft und danach der zweitgeborene Sohn, der im Februar 1805 Maria Elisabeth Gössler aus Wussegel heiratete. Die Mutter der beiden Söhne verstarb kurz zuvor im Jahre 1803 im Alter von 70 Jahren.

Während der Franzosenzeit war der Betrieb des Dorfkruges mit diversen Hindernissen verbunden. So beschlagnahmten die Franzosen das Boot von Lehmann, das bis dahin als Fähre für die Kirchgänger vom jenseitigen Elbufer und zur Fischerei diente. Um seine Gäste auch weiterhin mit frischem Fisch versorgen zu können ging Lehmann fortan nachts der ihm untersagten Fischerei nach.

Um 1860 ergab sich wiederum die Gelegenheit zwischen Wussegel und Gosewerder einen Fährbetrieb einzurichten. Dies geschah zunächst illegal. Bald aber sahen die Behörden ein, dass eine Erfordernis vorlag und genehmigten die neue Fährverbindung. Am 03.06.1861 schloß Lehmann einen Pachtvertrag mit der Stadt Hitzacker auf 20 Jahre ab, der immer wieder verlängert wurde. Die Pachtzahlung erfolgte jährlich mit Naturalien wie Weizen, Gerste, Bohnen oder Stroh. Eine Überfahrt kostete 10 Pfennig, bei Hochwasser oder Eisgang das Doppelte. Bei zugefrorener Elbe durfte Lehmann eine Eisbahn herrichten, dafür aber keine Benutzungsgebühr erheben. Die Fähre wurde gut angenommen. So wurde 1876 ermittelt, dass jährlich 450 Personen (meist Kirchgänger), 300 Pferde, 700 Stück Rindvieh und etwa 600 Stück Kleinvieh befördert wurden. Oftmals verlangte Lehmann als Fährlohn Naturalien, die er für seine kleine Wirtschaft gut gebrauchen konnte. Der eingesetzte Fährkahn war immerhin so groß, dass 10 Personen auf einmal befördert werden konnten. Eine Überfahrt dauerte ca. 20 Minuten und konnte bei ungünstigen Strömungsverhältnissen auch bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen. Der letzte Fährpächter Otto Lehmann beendete im August 1941 kriegsbedingt diese lange Tradition.

Der Bestand des Gasthauses ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die männliche Erbfolge bislang noch nicht unterbrochen wurde und sich stets einer der Söhne zum väterlichen Erbe bekannte.

Im Laufe der Zeit hatte sich das Gasthaus Lehmann einen guten Ruf und eine solide wirtschaftliche Grundlage geschaffen. Familie Lehmann nahm aktiv am Dorfgeschehen teil  und beteiligte sich an Gemeinschaftsunternehmungen wie z.B. Mitgliedschaft bei der Molkereigenossenschaft Wussegel (1897) oder Stierhaltungsgenossenschaft (1902).

Wussegel wurde mit seinem umsichtig geführten Gasthaus so etwas wie der kulturelle Mittelpunkt der Umgebung. Unzählige Gemeindeversammlungen, Behördentermine und Gesellschaftsfeiern hat dieses Haus schon gesehen. Jährlich fanden vier feste Tanzveranstaltungen statt und während des Winterhalbjahres noch diverse Vereinsbälle wie Molkerei– und Quappenball. Der Radfahrverein Niesenkranz veranstaltete von 1920 - 1925 jährlich einen Radfahrerball. Auch die Stierhaltungsgenossenschaft pflegte Geselligkeit und beging alljährlich den Bullenball.

Die Tanzlustigen nahmen lange Fußmärsche auf sich um dem vergnügen nachzugehen. Da Gastwirt Lehmann eine Fähre vorhielt, kamen auch zahlreiche Gäste vom jenseitigen Elbufer herbei. Für Gastwirt, Fischer und Fährmann Lehmann in Personalunion immer ein gutes Geschäft.

Otto Lehmann verstarb im Jahr 1972. Um seinen Vater zu entlasten hatte Sohn Gerd den Betrieb bereits 1965 übernommen. Er verstand es den Betrieb mit hohem Qualitätsanspruch weithin bekannt zu machen. Die außerordentlich günstige Lage zur Elbe konnte im Jahre 1977 im Rahmen des Deichbaus durch die Neugestaltung der Terrasse weiter verbessert werden.

 

Otto und Emmy Lehmann auf der Elbterrasse

Seit 1995 werden die Elbterrassen nun von Frank Lehmann in siebenter Generation betrieben. Heute sind die Elbterrassen vor allem in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel, aber auch Spezialitäten wie das alljährliche Stintessen machen die Elbterrassen weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt.